Die Entwicklung der Quarzuhr zu Beginn der achtziger Jahre bedeutete einen harschen Bruch mit der klassischen Uhrmachertradition. Nichts mehr war wie früher, das Alte musste neuen Industriestrukturen, Produkten und Konzepten weichen. Wo zuvor nur ausgeklügelte Technik und feinste Mechanik gezählt hatten, war mit dem Siegeszug der Elektronik technische Perfektion plötzlich spielerisch leicht erreichbar und kostete erst noch wenig Geld. So betrug noch 1975 der Anteil der elektronischen Uhren und Werke in der Produktion der Firmen der damaligen Allgemeinen Schweizer Uhrenindustrie Aktiengesellschaft (Asuag) 9,3 Prozent, während es 1982 bereits 77,2 Prozent waren. Diese rasante Entwicklung bedeutete den Todesstoss für die preiswerte mechanische Uhr, die von der Quarzuhr in Massenproduktion abgelöst wurde. Aber sie generierte auch ein neues Luxussegment für mechanische Spitzenprodukte. Dieses stellt zwar eine absolute Nische von 0,4 Prozent des weltweiten Uhrenmarkts dar, weist aber eine enorme Wertschöpfung auf. So verdankt sich dieser Nischenmarkt für Liebhaberuhren, in welchem die Schweizer Uhrenbranche heute führend ist, nicht zuletzt auch der Quarzrevolution.
Zwischen 2001 und 2005 interviewte Lucien F. Trueb in der Schweiz, in Deutschland, Frankreich, Japan und den USA über hundert Persönlichkeiten aus der Uhrenindustrie - Menschen, welche die Uhrenbranche in dem Zeitraum des technologischen Paradigmenwechsels zwischen 1972 und 1984 durch ihre Arbeit mitgeprägt haben. Mit seinem Buch «Zeitzeugen der Quarzrevolution» liegt nun eine Dokumentation des Übergangs von der traditionellen Uhrmacherkunst zur Quarztechnologie mit all ihren Folgen für die Schweizer Uhrenbranche vor.
Der facettenreiche Band liest sich wie ein Who's who der weltweiten Uhrenindustrie. In Kurzporträts kommen Uhrmacher, Firmenchefs, Manager und Pioniere der Quarzuhr-Entwicklung zu Wort - so etwa auch Helmut Sinn (Bild). Persönliche Leistungen, biografische Hintergründe und historische Anekdoten verschränken sich mit der auch für den Laien gut verständlichen Beschreibung technischer Errungenschaften. Berücksichtigt wurde auch die Konkurrenz der Schweizer Uhrenbranche, denn was für die einen als Krise bezeichnet wurde, war für die anderen - in den USA und vornehmlich in Japan - eine vielversprechende Neuerung. Jedes der Porträts bildet dabei ein in sich geschlossenes Stück Uhrengeschichte. (phi.)
Lucien F. Trueb: Zeitzeugen der Quarzrevolution. Editions «Institut l'homme et le temps», La Chaux-de-Fonds. 391 Seiten, Fr. 48.-. Vertrieb: Musée International d'Horlogerie (MIH), La Chaux-de-Fonds.